Die absurde Designwelt des Günnekamp-Flyers

Alfreds nächtliche Grübeleien über den Werbeflyer des betreuten Wohnens am Günnekamp

Alfred lag in seinem knarzigen Bett, während der Mondschein durch die Vorhänge schlich und sanft auf den Werbeflyer des betreuten Wohnens am Günnekamp fiel, der lässig auf seinem Nachttisch lag. Seine Augen wanderten über das grelle Layout, und er konnte nicht anders, als sich zu fragen, wie wohl die Brainstormingrunde für dieses visuelle Meisterwerk verlaufen sein musste.

„Waren das arbeitslose Grafikdesigner?“, fragte sich Alfred im Halbschlaf. „Oder vielleicht die gleichen kreativen Köpfe, die auch die Flyer für den lokalen Pizzaheimlieferservice entwerfen?“ Sein Geist driftete ab, und er stellte sich die Szene lebhaft vor:

Ein karges Büro, irgendwo in einem trostlosen Hinterhof. Ein runder Tisch, an dem fünf genervte und gelangweilte Gestalten sitzen. In der Mitte des Tisches ein Berg Pizzakartons, leere Energy-Drink-Dosen und ein halb aufgegessener Döner. Der Chef, ein mürrischer Mittfünfziger mit fettigen Haaren und einem T-Shirt, das vermutlich irgendwann in den 80ern modern war, eröffnet die Sitzung.

„Leute, wir brauchen einen Flyer für das betreute Wohnen am Günnekamp. Aber lasst uns mal richtig kreativ sein, okay? Etwas, das ins Auge springt!“ Er nimmt einen großen Schluck aus seiner Kaffeetasse, die ironischerweise mit „I ♥ Design“ bedruckt ist.

Die erste Designerin, offensichtlich noch im Praktikum, hebt schüchtern die Hand. „Wie wäre es mit einem beruhigenden Blau und Bildern von glücklichen Senioren beim Yoga?“

Der Chef verdreht die Augen. „Langweilig! Das hatten wir schon bei den Flyern für die Rheumaklinik. Wir brauchen etwas, das wirklich knallt!“

Ein anderer Designer, der aussieht, als hätte er die letzten drei Nächte durchgezockt, wirft seine Idee in den Raum: „Wie wäre es mit Neonfarben und Comic Sans? Das zieht garantiert die Aufmerksamkeit auf sich!“

Der Chef nickt langsam, ein fieses Grinsen breitet sich auf seinem Gesicht aus. „Das hat was… aber wir brauchen noch mehr. Vielleicht ein Maskottchen? Ein super süßer Welpe oder ein tanzender Rollator?“

„Oder beides!“, ruft jemand aus der hintersten Ecke, während er sich eine Handvoll Chips in den Mund stopft.

„Perfekt!“, ruft der Chef begeistert. „Und das Ganze garniert mit einem Werbeslogan, der so kitschig ist, dass man ihn nicht vergessen kann. Irgendwas wie: ‚Betreutes Wohnen am Günnekamp – Wo der Lebensabend zum Tanztee wird!‘“

Alfred schüttelte innerlich den Kopf und lachte leise. „Genial“, dachte er. „Ein Flyer, der aussieht, als hätte man einen Regenbogen in einem Comic-Laden explodieren lassen.“

Seine Gedanken schweiften weiter ab, als er sich vorstellte, wie die Entscheidung für das endgültige Design gefallen sein musste. Wahrscheinlich wurde der Flyer mit einem großen „Bingo!“-Ruf und einer Runde High-Fives akzeptiert, gefolgt von einer hitzigen Diskussion darüber, welcher Pizzaheimlieferservice die besten Jalapeños auf der Pizza hat.

Mit einem letzten Blick auf den Flyer, der in der Dunkelheit leuchtete wie ein missglückter Versuch einer Lichtinstallation, drehte sich Alfred um und murmelte: „Wenn das hier das Beste ist, was die Designwelt zu bieten hat, dann ist die Zukunft der Flyergestaltung ebenso gesichert wie die meines betreuten Wohnens.“

Mit diesem amüsanten Gedanken sank er in den Schlaf, träumend von neonfarbenen Rollatoren und tanzenden Welpen, die ihm den Weg zu einer sehr bunten und sehr verrückten Zukunft wiesen.

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